Cavazzoni gehört zur Gruppe Oplepo, einem italienischen Pendant der experimentellen Vereinigung Oulipo, und das merkt man seinem Erzählband insofern an, als er nach einem formalistischen Prinzip aufgebaut ist: Die sieben Todsünden sind je sieben Lebensphasen zugeordnet, so dass sich nach diesem Schema (das auf Seite 9 graphisch dargestellt ist) insgesamt 49 Kurzgeschichten ergeben. Zudem ist das Buch in sieben Abschnitte, sogenannte "Lektionen", gegliedert, die einleitend Einübungen in eine Todsünde enthalten, die an angehende Schriftsteller adressiert sind. Der Band präsentiert sich damit als eine Art "Handbuch", wie man jederzeit ein nutzloser Schriftsteller werden kann.
Das wenig schmückende Beiwort "nutzlos" lässt es bereits anklingen, dass vom Berufsstand des Schriftstellers keine allzu hohe Meinung herrscht. Tatsächlich bietet Cavazzoni jedes erdenkliche Klischee auf, um die eigentümliche Existenzform eines Schriftstellers auf die Schippe zu nehmen. Von lebenslangen Schreibkrisen über Kollegenneid und Musendiensten bis zur verlegerischen Imagepolitik oder Fragen des Nachruhms, weil sich Kritiker erst für Autoren interessieren, wenn sie "Leichen" sind. Doch geht die Darstellung über eine reine Satire des Literaturbetriebs hinaus und führt öfter auch ins Absurde oder gar Phantastische: Fahrradsattelschnüffler kommen ebenso vor wie Bleistiftfresser oder Schriftsteller als Schlittenhunde und eine Dichtergruppe auf Bäumen.
Nicht alle der 49 Miniaturen überzeugen gleichermassen. Während einige, wie etwa die Streitigkeiten um das Urheberrecht an leeren Seiten, sehr gelungen sind, wirken andere wiederum, so zum Beispiel der Schriftsteller, der sich nur von Gelée Royale ernährt, eher bemüht. Der Witz will nicht überall zünden. Auch schleift sich das Grundprinzip rasch ab, das die Schriftsteller als lächerliche Typen und aufgrund ihrer Schrullen, Nöte und Eitelkeiten kaum lebensfähige Existenzen vorführt: als "psychisch labil und Opfer ihrer Hirngespinste" (98). Die letzte Erzählung handelt denn auch von der "Skripturalhypertrophie" (174), der dystopischen Vorstellung, wie die Welt zum Erliegen kommt, weil sich nur noch Schriftsteller auf ihr befinden, die nichts anderes (sprich: wichtigeres) tun als schreiben.
Ermanno Cavazzoni: Die nutzlosen Schriftsteller. Aus dem Italienischen von Marianne Schneider. Berlin: Verlag Klaus Wagenbach, 2003.
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